Was tun mit dem Kubus ? Workshop zur Nachnutzung des Primark-Gebäudes am Döppersberg

Was tun mit dem Kubus ? Workshop zur Nachnutzung des Primark-Gebäudes am Döppersberg

Hintergrund

Am 16. April 2019 eröffnete auch in Wuppertal ein Primark, in einem architektonisch interessanten Neubau in bester Lage am neuen Döppersberg. Die Geschäftsmodelle von Textilhandelsketten unterliegen allerdings immer schnelleren Lebenszyklen. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass auch das Modell „Primark“ in naher Zukunft an Attraktivität bei Kunden verliert. Die frühindustrielle Textilproduktion prägte die Stadt Wuppertal – dies zeigt sich heute in ehemaligen Fabrikgebäuden, die häufig in der 3. oder 4. Nutzung sind. Diese Nachnutzungen kennzeichnen das Gesicht der Stadt und zeugen davon, dass Wuppertal in einer andauernden Transformation ist.
Zeitgleich zur Eröffnung des Primark fand daher in der Aula des Wuppertal Instituts ein Workshop statt, um Ideen und Konzepte für die Nachnutzung des Primark-Kubus als Eingangstor für die Elberfelder Innenstadt zu entwickeln. Ziel des Workshops war es, die Phantasie zu beflügeln und zu erarbeiten, was an diesem wichtigen Ort der Stadt passieren kann und welche Impulse für die Stadtentwicklung von ihm ausgehen können. Der Workshop sollte so Im-pulse für die urbane Transformation geben und alternative Konzepte und konstruktive Lösungen erarbeiten.
Der Workshop
Die Idee des Workshops entstand am Rande eines Transformationsstammtisches. Veranstaltet wurde der Workshop von Mitgliedern des TransZents, insbesondere von Hans Haake (Organisation), Verena Hermelingmeier und Annaliesa Hilger (Moderation) und der tatkräftigen Unterstützung vieler Helferinnen und Helfer von TransZent, Wuppertal Institut und von Studentinnen aus dem Studiengang „Nachhaltige Entwicklung“ der Hochschule Bochum. Insgesamt nahmen knapp 40 Wuppertalerinnen und Wuppertaler teil.
Dr. Justus von Geibler, Co-Leiter des Forschungsbereich Innovationslabore in der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren des Wuppertal Instituts, gab einen kurzen Impuls zu „Konsummuster im W/Handel“. Strukturiert in fünf Bereiche erläuterte er „Trends zum Einkaufen“ und erklärte den andauernden Wandel von Konsum-mustern.
Bärbel Offergeld vom Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und URBAN CATALYST GmbH unterstrich in ihrem Impulsvortrag die Potentiale eines solchen Gebäudes aufgrund der zentralen Lage des Kubus auf der Achse Schwimmoper, Schauspielhaus und Hauptbahnhof. Zusätzlich stellte sie einige inspirierende Nachnutzungsideen wie bspw. die Science City, ein Fab Lab oder ein Mobility Hub vor.
Anschließend an die beiden Impulsvorträge nahmen die Teilnehmenden den Kubus im Rahmen eines halbstündigen Spaziergangs individuell in Augenschein. Hinterher wurden zunächst individuelle Ideen gesammelt, zu Themen gebündelt und schließlich in vier Kleingruppen weiter ausgearbeitet. In 45 Minuten entwickelten die Teams Zukunftsvisionen unter der Leitfrage: „Was soll im (ehemaligen) Primark Kubus als Eingangstor nach Wuppertal entstehen?“

Zukunftsvision 1: Urbane Produktion
Ein Team erarbeitete die Idee, aus dem Kubus einen Ort der urbanen, grünen Produktion zu machen. Hier könnten Gewächshäuser und Grünflächen, sowie ein Garten Café als Begegnungsstätte für Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger und für kulturelle Aktivitäten entstehen. Die Kubus-Fassade inspirierte die Teilnehmenden zur Kultivierung von Insektenlöchern und zur Installation von Solarpanelen zur Produktion erneuerbarer Energien. Der Innenraum würde als Produktions- und Verkaufsfläche für Wuppertaler Produkte und für einen Unverpackt-laden zur Verfügung stehen. Ein Innovationslabor, ein Repair Café, eine Upcycling Station sowie ein 3D-Ersatzteile Druckshop würden außerdem den längeren Einsatz von Produkten ermöglichen. Vor dem Kubus wurde ein Wochenmarkt ersonnen, auf dem zusätzlich in Wuppertal produzierte Lebensmittel verkauft würden.

 

 

 

 

Zukunftsvision 2: Soziale Plastik
Die zweite Gruppe erarbeitete die Idee, aus dem Kubus ein Gehäuse für eine soziale Plastik entstehen zu lassen. Hier könnten sich alle Transformationsinitiativen der Stadt darstellen, neue Ideen entwickeln und gemeinsam Stadtentwicklung gestalten. Als „Schaufenster für Wuppertal“ sollte der Kubus somit den ersten Eindruck von Wuppertal und die (neuen) Werte der Stadt transparent vermitteln. Als Denkort, Ort der Begegnung und des Austauschs, sollte der Kubus zu einem Ort der Bürgerbeteiligung und eine Begegnungsstätte für Wuppertaler Bürger und Bürgerinnen werden. Ein solches „Wuppertalhaus“ wäre definiert als ein „Haus für glasklares Denken“.

 

 

 

 

 

Zukunftsvision 3: Mobilitätszentrale
Die Idee der Mobilitätszentrale verfolgt das Ziel, ein umweltfreundliches Mobilitätsverhalten der Wuppertalerinnen und Wuppertaler zu unterstützen. Dies könnte durch ein den Hauptbahnhof und Busbahnhof ergänzendes Angebot von Car Sharing, E-Bikes sowie Fahrradstation und -reparatur erzielt werden. Zudem würde der Kubus selbst zur zentralen Informations-stelle zu umweltfreundlicher Mobilität und zur Beratung rund um alternative und kombinierte Transportmöglichkeiten durch die Stadt. Außerdem gäbe es eine Werkstatt für öffentliche Verkehrsmittel. Ergänzt würde dieses Angebot durch erneuerbare Energien generiert von Windrädern auf dem Dach und auf den umliegenden Flächen, um E-Autos und E-Bikes zu versorgen.

 

 

 

Zukunftsvision 4: Das Stadthaus (Bottom-Up-Haus)
Die in dieser Gruppe entwickelte Idee zur Nachnutzung sieht vor, dass der Kubus eine Schnittstelle für Politikverwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft darstellt. So könnten im Kern des Kubus die Wuppertaler Ratssitzungen stattfinden, sodass die Wuppertaler Politik im Zentrum von Wuppertal transparent ausgeübt würde. Angedacht war auch, im Erdgeschoss eine Gastronomie als Begegnungsstätte für Bürgerinnen und Bürger anzubieten. Auf einer weiteren Ebene könnte Platz für Wissenschaft, Verwaltung und Bürgervertretung geschaffen werden. Auf zwei weiteren Ebenen würden ein Kongresszentrum und Arbeitsräume das An-gebot abrunden. Mit seinen vier Ebenen der Begegnung verschiedener Sektoren, würde der Kubus zum „Bottom-Up Haus“.

 

Lokale Medien
Die Veranstaltung wurde zusätzlich von verschiedenen lokalen Medien begleitet. Bei Radio Wuppertal wurde die Veranstaltung in die Moderation eingebunden und in der WZ schon im Vorhinein beworben: https://www.wz.de/nrw/wuppertal/primark-in-wuppertal-vor-der-eroeffnung-so-sieht-es-im-geschaeft-aus_aid-38083785

Zusätzlich zum Workshop fand begleitend zur Eröffnung des Primarks die Greenpeace Ausstellung: „Schmutzige Wäsche. Woher kommt unsere   Kleidung?“ im Foyer des Wuppertal Institut statt. Zudem wurde die Veranstaltung von der WDR Lokalzeit begleitet.

Den Beitrag zur Primark-Eröffnung inklusive dem Ausschnitt zum Nachnutzungs-Workshop (ab Minute 3:20) gibt es hier zu sehen: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzebergisches-land/video-shopping-laune-trifft-auf-protest-primark-eroeffnet-in-wuppertal-100.html