Vier Tage Zukunft denken. Studi-Kongress des AStA Wuppertal

Vier Tage Zukunft denken. Studi-Kongress des AStA Wuppertal

Vier Tage Zukunft denken. Studi-Kongress des AStA Wuppertal

Autorin & Foto: Anna Lohmann

Wie viel mehr Wirtschaftswachstum kann unsere Gesellschaft vertragen? Wie können wir Studierende mit den sich daraus ergebenden Anforderungen umgehen – und wie können wir den Wandel von studentischer Seite mitgestalten? „Studieren in Zeiten des Wachstumsparadigmas“ hieß der Studi-Kongress des AStA Wuppertal, der diese und weitere Fragen am Wochenende des 03.-06.11.16 mit vielen interessierten TeilnehmerInnen und Gästen diskutierte. 

Es passiert etwas in Wuppertal – das haben die meisten WuppertalerInnen in den vergangenen Monaten bereits gemerkt. In zahlreichen Initiativen, sei es der „Essbare Arrenberg“, der nachhaltige und partizipative Ernährungsformen im Quartier fördert, oder etwa das Labor der kreativen Stadtentwicklung „Utopiastadt“ – überall entstehen und etablieren sich innovative Ideen für eine alternative Stadtentwicklung und eine transformative Gesellschaft. Auch die Bergische Universität Wuppertal und ihre Studierenden sind Teil dieses Netzwerkes der Neudenkenden. Dies stellte zuletzt der AStA der BUW in einem viertägigen Kongress unter Beweis, der am Sonntag, dem 06.11.16 zu Ende ging. Unter dem Motto „Studieren in Zeiten des Wachstumsparadigmas“ fanden sich knapp 40 TeilnehmerInnen aus einer bunten Mischung verschiedener Wissenschaftsdisziplinen, Regionen und Lebenssituationen zusammen, um gemeinsam Zukunftsszenarien zu beleuchten. Wie sehen alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle aus? Welcher Voraussetzungen bedarf es, diese zu realisieren? Wer sind die notwendigen Akteure einer Gesellschaftstransformation? Viele Fragen wurden gestellt, viele Ideen diskutiert.

AStA Wuppertal

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Dabei stand jeder Tag unter einem anderen Motto. Tag 1 begann mit einem anregenden Vortrag von apl. Prof. Dr. Niko Paech, dem Begründer des Konzeptes der Postwachstumsökonomik. Ausgehend von seinem Konzept eines alternativen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ergaben sich im Anschluss an seinen Vortrag interessante und kritische Diskussionsansätze, die nach dem gemeinsamen Abendessen in einer lockeren Gesprächsrunde mit Experten aus der Hochschulpolitik auf den studentischen Kontext übertragen und weitergesponnen wurden. Ein langer, interessanter Abend also, an dem persönliche Erfahrungen zu Subsistenzansätzen ausgetauscht, die Möglichkeiten eines „kulturellen Wandels“ hinterfragt und der eigene Lebensstil reflektiert wurde.

Ähnlich enthusiastisch gestalteten sich die Folgetage des Kongresses; am Freitag begann Prof. Dr. Uwe Schneidewind mit einer impulsiven Aufforderung an die TeilnehmerInnen, den gesellschaftlichen Wandel aktiv mit zu gestalten. In verschiedenen Workshop-Angeboten durch den Lernort Wuppertal und den Impuls e.V. aus Berlin wurden am Nachmittag in erfrischend-ehrlichen und tiefgründigen Gesprächen persönliche Geschichten des Erfolgs und Scheiterns ausgetauscht und gemeinsam reflektiert. Unter welchen Wachstumszwängen stehen wir Studierende heute eigentlich und wie gehen wir mit diesen Erfahrungen um? Wo gelingt es mir, mich von Wachstumslogiken frei zu machen und wo nicht? Dieser Austausch wurde teils noch lange nach der Workshop-Phase in persönlichen Gesprächen fortgeführt und hallt noch immer in einigen Köpfen nach.

Im gleichen Format wurde in den nächsten beiden Tagen gemeinsam mit dem netzwerk n an konkreten Handlungsideen gebastelt, die sich auch an der eigenen Hochschule umsetzen lassen. In fruchtbaren Diskussionen wurden spannende Ideen geteilt, weiterentwickelt oder entstanden vollkommen neu. Ausgangspunkt bildete auch hier eine Keynote durch Michael Kopatz, Projektleiter am Wuppertal Institut, der mit seinem Konzept der „Ökoroutine“ und der Frage wie sich der Wandel konkret gestalten lässt eine kontroverse Diskussion über die Frage nach dem Weg zu einer nachhaltige(re)n Gesellschaft anregte.

AStA Wuppertal

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Mit dem Ende des Kongresses endeten jedoch nicht die entfachten Gedanken und das Engagement der TeilnehmerInnen, die in den vier Tagen viele persönliche Erfahrungen, Wünsche aber auch Sorgen miteinander geteilt hatten. Zum Weiterdenken veranstaltet der AStA der Uni Wuppertal vom 25.-27. November gleich ein weiteres Wochenendseminar zum Thema „studentische Zeitpolitik im Wandel“, in dem die von Niko Paech angesprochene Neueinteilung unserer Arbeits- und Lebenszeit ausführlicher thematisiert werden soll. Zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit LandespolitikerInnen der großen Fraktionen sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Infos und Anmeldung unter zeitpolitik.asta-wuppertal.de.

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