Laute Gedanken zum Quartier Mirke während der Sustainable Insights

Laute Gedanken zum Quartier Mirke während der Sustainable Insights

Laute Gedanken zum Quartier Mirke während der Sustainable Insights

Mitte des 20. Jahrhunderts: Man begibt sich auf Reisen, um am Bahnhof Mirke auszusteigen, um entlang der Flaniermeile Friedrichstraße an der Kreuzkirche vorbei zum Stadtkern und zum anderen Bahnhof Elberfeld zu laufen.

Der Bahnhof selbst ist ein wunderschönes Fachwerkhaus mit Ziegeln ausgefacht anstatt mit Stroh und Lehm wie sonst in der Gegend üblich. Während der untere Teil der Fassade durch eine Überdachung des Wartebereichs geschützt ist, kann man im oberen Teil Schieferplatten entdecken, die Schutz gegen Wind und Wetter des Bergischen Landes bieten. So oder so ähnlich könnte es gewesen sein.

Heute steigt man nicht mehr aus einer lauten, energieintensiven Dampflok aus, sondern kommt mit dem Fahrrad, Inlineskates oder zu Fuß an. Und auch wenn man das historische Bahnhofsgebäude „Mirker Bahnhof“ vorfindet, ist das Ambiente alles andere als ein Warteort, um zum nächsten Bahnhof gebracht zu werden. Man erreicht Utopiastadt.

Utopiastadt_trasse

Foto: Deborah Runkel und Magdalena Spinn

Utopiastadt ist ein Ort des Wandels. Täglich kann man hier neue Veränderungen beobachten. Eines Tages steht plötzlich an der Wand gegenüber „die Maurer muss weg“. Alle schmunzeln über den Rechtschreibfehler. Einige Wochen später ist der Zaun neben der Nordbahntrasse gegenüber Utopiastadt weg. An der Wand der Spedition ist nun das „mu“ in dem „muss“ durchgestrichen und es steht ein i darüber: „Die Mauerer iss weg“. Von nun an finden dort Open Air Konzerte und beliebte Veranstaltungen wie der „Trassenrave“ statt. Solche Entwicklungen sind beispielhaft für das Geschehen rund um und in Utopiastadt. Anstatt einer klassischen Flächen- und Immobilienentwicklung, bei der ein Plan auf Papier gemacht und dann umgesetzt wird, bleiben Utopiastadt und die dazugehörigen Flächen immer ein Prozess. Ähnlich eines großen Permakultur-Gartens, entstehen immer wieder neue Initiativen, die sich gegenseitig befruchten.

Und tatsächlich, es sind Gärten, die historische Orte im Quartier verbinden, Gärten im Wandel, Quartier im Wandel. Wo einst die Flaniermeile war, laufen wir heute von Utopiastadtgarten runter zur Kreuzkirche, die heute Diakoniekirche heißt und auch von urbanen Gärten umgeben ist.

Inselgarten

Foto: Deborah Runkel und Magdalena Spinn

Außen wird das Quartier durch stark befahrene Straßen eingegrenzt. Im Westen die Hochstraße, im Osten die Gathe und im Norden die A46. Die Autobahn trennt nun auch das Freibad Mirke, das gefühlt schon immer zum Quartier gehört, aber nun zum Bezirk Uellendahl zugezählt wird.

So sind es nun die Utopiastadt, das Café Ada, das Talton Theater, die Hebebühne, die Alte Feuerwache, die Diakoniekirche und nicht zuletzt das Mirker Freibad, die für die Menschen das Quartier definieren. Es sind Orte, die sich durch die Menschen ständig im Wandel befinden, sei es der Tangotanz im Ada, die Theaterstücke im Talton, die Only Hut Konzerte in Utopiastadt und die urbanen Gärten, oder jonglierenden Jugendlichen in der Alten Feuerwache.

Taltontheater

hebebühne

AlteFeuerwache

Fotos: Deborah Runkel und Magdalena Spinn

Das Quartier ist nun mehr und die Menschen wünschen sich noch mehr. So hört man hin und wieder den Wunsch nach einem Stadtteilfest, das alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Ölbergfest die verschiedenen Achsen im Quartier Mirke durch feiernde Menschenmassen verbinden könnte, so dass die Jungen den Alten erzählen können, dass der Bahnhof Mirke heute ein Fahrradbahnhof ist, in dem Utopien entstehen und gelebt werden. Und man kann wieder auf der Friedrichsstraße flanieren, um von einem Garten zum anderen oder zum Open Air Kino zu kommen.

Am Anfang war der Bahnhof ein Teil der Identität im Quartier. Heute ist es der alte Bahnhof und manchmal auch Utopiastadt. Viele kennen Utopiastadt, einige wiederum nicht. Manche können nichts damit anfangen, für andere ist es das Leben. Man kann sich diesen Ort aneignen, in dem man ihn verändert. Gleiches passiert an anderen Orten im Quartier auch, an der Kreuz- bzw. Diakoniekirche, in der Alten Feuerwache, die keine Feurwache mehr ist, im Ada und auch im Talton Theater. Es sind Orte des Wandels und der Diversität.

Autor*innen: Martin Bödenauer, Tanja Brumbauer, Sam Zeini

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