Wohlstandstransformation im Advent

Wohlstandstransformation im Advent

Wohlstandstransformation im Advent

Wir sind mitten im Advent. Advent bedeutet „Ankunft“, und dem kirchlichen Ursprung nach geht es dabei um die Besinnung und die Erwartung des Neuen. Sich Zeit zu nehmen um zu reflektieren und sich seiner Erwartungen klar zu werden, vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee.

 

Erwartungs-Management im WTW-Projekt

Seit dem Frühsommer arbeiten wir im WTW-Projekt gemeinsam mit Praxispartnern an der Wohlstands-Transformation Wuppertal. Aber was wollen und können wir hier eigentlich genau erreichen, und wozu? Als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem ‚Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit‘ können wir schnell in Aktionismus oder Kleinteiligkeit verfallen. Der Klimawandel wartet nicht, der ökologische Fußabdruck ist viel zu groß, unser Wohlstand ist nach wie vor nicht nachhaltig. Ist die ‚Große Transformation‘ nicht viel zu langsam? Und andererseits: Workshops wollen veranstaltet, Arbeitstreffen vorbereitet, Fachliteratur gelesen, Daten erhoben und ausgewertet, Gespräche geführt, Paper, Dissertationen, Protokolle, Präsentationen, Anträge und Blogbeiträge geschrieben werden, ebenso wie die Berichte für den Projektträger. Wann und wo transformieren wir hier eigentlich?

 

Grenzen und Möglichkeiten

Dies sind Fragen, die sich in Projekten wie dem unseren ab und an stellen. Wir stehen einerseits in der Gefahr, unsere Möglichkeiten zu überschätzen. Zum großen Ganzen tragen wir relativ wenig bei, eine Wohlstandstransformation in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung können wir im Großen nur wenig beeinflussen, weder praktisch real-weltlich noch wissenschaftlich. Wenn das schon dem Weltklimarat und den Regierungsvertretern aus fast 200 Nationen auf dem Pariser Klimagipfel nicht recht gelingen will, wie dann uns? Nein, wir werden mit unserem Projekt nicht ‚die Welt retten‘, und es wäre auch vermessen und frustrationsfördernd, einen solchen adventlich-messianischen Anspruch zu verfolgen.

Nichtsdestotrotz haben wir den Anspruch, hier vor Ort in Wuppertal und breiter in der wissenschaftlichen Diskussion etwas zu bewirken. Wir sind eines von vielen Projekten, das zur Lösung wichtiger Probleme beiträgt. Nur durch das Engagement der Vielen, sowohl im Privaten als auch im Beruf, in der Wissenschaft und in der Praxis, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, kann eine nachhaltige Wohlstandsentwicklung kumulativ bewirkt werden. Und genau hierzu tragen die oben genannten kleinteiligen, arbeitszeitintensiven Tätigkeiten bei, wenn wir uns auf unsere Wirkungsziele fokussieren und unser Forschen im Projekt immer wieder darauf ausrichten.

Denn unser Projekt hat hier einiges zu bieten: Die zu entwickelnden urbanen Wohlstandsindikatoren, angelehnt an den Better-Life-Index,  sollen Gesellschaft, Wissenschaft und Politik eine Orientierung in der Wohlstandstransformation geben. Eine Kartierung der Initiativen guten Lebens in Wuppertal soll deren Vernetzung und Zusammenarbeit fördern. Zudem werden wir ein Wirkungskonzept erarbeiten, mit dem sich messen lässt, was einzelne Initiativen zu bestimmten Wohlstandsdimensionen beitragen. In den Reallaboren und -experimenten wird gemeinsam mit Praxispartnern an konkreten, lokalen Problemen gearbeitet und Transformationswissen generiert, das mithilfe der transdisziplinären Integration wissenschaftlichen und praktischen Wissens die Kapazitäten zur lokalen Wohlstandstransformation erweitern soll. Durch den Vergleich der Realexperimente sollen nicht nur die Wirkungen, sondern auch Faktoren erfasst werden, die die urbane Wohlstandstransformation hemmen oder fördern. Dieses einmalige vergleichende Forschungsdesign soll auch dabei helfen, den Effekt der Intervention, die in den Realexperimenten stattfindet, auf die Wissenschafts- und Praxisakteure zu erfassen, Herausforderungen und Best Practices der transdisziplinären Reallaborforschung zu identifizieren und zu reflektieren und damit die Konzepte ‚Reallabor‘ und ‚Realexperiment‘ theoretisch und methodisch weiterzuentwickeln und empirisch zu fundieren. Zu guter Letzt gilt es, ein Kompetenzzentrum zur Transformationsforschung zu etablieren.

 

Den Advent verstetigen

Die Reflexion über unsere wissenschaftlichen und praktischen Ziele und die Wege dahin, unsere epistemischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede, unsere Doppelrolle als Wissenschaftstreibende und Unterstützende konkreter Transformationsprozesse und über alles, was wir mit- und voneinander lernen und verstehen, gilt es über die gesamte Projektlaufzeit aufrechtzuerhalten, zu dokumentieren und auszuwerten. Erst diese Reflexion ermöglicht es uns, wissenschaftlich und praktisch relevantes, sozial robustes Wissen zu erarbeiten und so unseren Teil zur Theorie und Praxis der Wohlstandstransformation beizutragen.

Einen besinnlichen Advent wünscht

Michael Rose

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