B7-Sperrung in Wuppertal als Chance für Verkehrsverlagerung?

B7-Sperrung in Wuppertal als Chance für Verkehrsverlagerung?

B7-Sperrung in Wuppertal als Chance für Verkehrsverlagerung?

In Wuppertal findet seit dem 21.7.2014 ein Experiment in Sachen Verkehrsplanung und Mobilität statt, wie man es nur selten beobachten kann: Eine zentrale Verkehrsader entlang der Talachse, die Bundesstraße 7 (B7), ist drei Jahre lang komplett gesperrt, weitere Baumaßnahmen erschweren die Mobilität, ob mit Autos, Fahrrädern oder zu Fuß. Wie Menschen und damit Verkehrsströme auf diesen Eingriff reagieren, und ob Impulse für die nachhaltige und klimafreundliche Umgestaltung von Mobilität entstehen können, wird als Teil eines Forschungsprojektes des Zentrums für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (TransZent) analysiert.

Hintergrund der Sperrung ist der Umbau des Döppersbergs. Dieser beinhaltet die Neugestaltung der Straßen B7, Döppersberg und Bahnhofstraße sowie der Fußgängerverbindung in die Innenstadt, des Bahnhofsvorplatzes und des Busbahnhofs. Um den Bauprozess zu beschleunigen, entschied die Stadt Wuppertal einen etwa 700 m langen Abschnitt der Bundesstraße B7 einschließlich der Anbindungen der Bahnhofstraße und des Döppersbergs für ca. drei Jahre vollständig für den Verkehr zu sperren (siehe Abbildung 1). Die B7 war mit einem durchschnittlichen täglichen Verkehrsaufkommen (DTV) von rund 39.000 Kfz/24h (Stand vom 24.7.2013) die Hauptverkehrsachse der Bandstadt Wuppertal und bündelte stadtteilverbindende und regionale Verkehre.

Die Sperrung wird im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes „Wohlstands-Transformation Wuppertal“ als urbanes, infrastrukturelles „Realexperiment“ verstanden, indem Anpassungsreaktionen bei der Verkehrsmittelwahl, der zeitlichen (Neu-)Organisation von Mobilität, den gewählten Zielen und den benutzen Routen im Verkehrsnetz empirisch ermittelt werden können.

Das Ziel der Arbeit ist es, die B7-Sperrung praxisnah und wissenschaftlich zu analysieren, um die Reaktionen auf Netzunterbrechungen zu dokumentieren, zu analysieren und daraus einen nachhaltigen Mehrwert in Bezug auf die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) zu erhalten. Die Kernfrage in Bezug auf Resilienz lautet, wie lange das System braucht, um sich auf den neuen Zustand einzupendeln. Neben den negativen Effekten wie z.B. Staus, die im Vorfeld von allen Praxisakteuren erwartet wurden sollen in dieser Arbeit auch die positiven Effekte analysiert werden (wie z.B. Modal Shift, der Verkehrsverlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsmittel wie z.B. Schwebebahn, Bus, Fahrrad). Auch lässt sich in der Zeit der Sperrung erfahren wie der Stadtkern ohne die B7 ist und auch zukünftig gedacht werden könnte (z.B. autofreie Innenstadt).

Die Arbeit strebt eine strukturierte Erfassung der Transformationsprozesse nach diesem erheblichen Eingriff in das Hauptverkehrsstraßennetz an und schließt zudem die Lücke, die es bei Stated-Preference-Befragungen (dem Erfragen von Präferenzen) gibt. Die Erkenntnisse dieser Arbeit liefern ebenso einen wertvollen Beitrag für die Verkehrsmodellierung und -planung.

 

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