Arbeit und Wohlstand in Wuppertal

Arbeit und Wohlstand in Wuppertal

„Was wäre, wenn ich nichts zu tun hätte?“ & “ Was bedeutet mir meine Arbeit eigentlich?“

Zwei einfache Fragen, die wenn man darüber nachdenkt, doch gar nicht so einfach zu beantworten sind. Ausgehend von der Überlegung inwieweit sich Arbeit in der und für die Gemeinschaft auf das subjektive Wohlstandsempfinden auswirkt, beschäftigt sich die „Arbeit in der Gemeinschaft“-Gruppe des Masterseminars „Wohlstandswandel in Oberbarmen“ genau mit solchen Fragen. Forschungsgegenstand ist es, herauszuarbeiten, inwiefern sich die Beschäftigung auf das eigene Wohlfühlen auswirkt, ob es Unterschiede bei freiwilliger und unfreiwilliger Arbeit gibt und inwiefern sich die Wohlstandsindikatoren der OECD, welche auf nationaler Ebene versuchen Wohlstand zu bewerten, auf lokaler Ebene anwenden lassen.

Doch wie wollen wir untersuchen wie sich die Arbeit in der und für die Gemeinschaft auf das subjektive Wohlstandsempfinden auswirkt?

Zunächst erarbeiteten wir in Anlehnung an die im Blogeintrag „Neues Masterseminar: Wohlstandswandel Oberbarmen“ von Matthias Wanner beschriebenen Wohlstandsindikatoren der OECD eine Basis für unsere Forschung. Diese setzt sich aus den Indikatoren Einkommen, Beschäftigung und Work-Life-Balance zusammen. Aufbauend auf dieser Basis entschieden wir uns, die Frage nach der subjektiven Auswirkung von Arbeit zweiseitig zu eruieren. Zum einen interviewten wir in sogenannten Experteninterviews vorsitzende Personen von Wuppertaler Organisationen, welche im Untersuchungsgebiet Oberbarmen tätig sind. Ziel dieser Interviews war es, sowohl die Hintergründe der Organisationen als auch ihre Ansichten über die geleistete Arbeit der untergeordneten Projekte und deren Erfolgsaussichten zu erfassen. Nachdem wir uns so einen Überblick über die vorhandenen Projekte in Oberbarmen verschafft hatten, wählten wir die Projekte Wicked Woods und Stoffwechsel, um dort in narrativ geführten Gruppeninterviews mit den Beschäftigten, deren Sicht zu erfassen. Diese narrativen Interviews stellen das Hauptaugenmerk unserer Forschung dar und zeigen ein gutes Bild, inwiefern die Ziele der Projekte erfüllt werden können.

Doch was ist denn nun eigentlich Wicked Woods? Und was hat es mit Arbeit für die Gemeinschaft zu tun?

Wicked Woods ist in erster Linie eine Skatehalle. Angesiedelt an der Nordbahntrasse, in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Bahnhof Wichlinghausen, bietet die umgebaute Halle für jeden Skater, BMXer oder Scooter Fahrer jede Menge Action. Hauptattraktion ist der 320 Quadratmeter große Bowl, der quasi eine eigene Halle einnimmt, und über die Landesgrenzen hinweg sportbegeisterte Fahrer nach Wichlinghausen zieht. Die Halle wird monatlich von mehr als eintausend Skatern und Bikern genutzt und ist ein festetablierter Treffpunkt in der Szene. Doch neben dem Sport ist Wicked Woods noch deutlich mehr. Kurz nach der Gründung des Projekts übernahm das Wichernhaus Wuppertal als diakonischer Träger die Führung des Projekts. In Kooperation mit dem Job Center Wuppertal wurde im Projekt Skatehalle Wicked Woods, ähnlich wie in anderen Projekten des Wichernhauses, Arbeitsgelegenheiten eingerichtet. Diese zielen darauf ab, Arbeitslose, die im sogenannten ersten Arbeitsmarkt nur sehr schwer vermittelbar sind, die Möglichkeit zu bieten, erneut ins Berufsleben einzusteigen, sich weiterzubilden und wenn möglich, wieder auf dem Arbeitsmarkt fußzufassen. So stellt das Projekt Wicked Woods für rund 30 Mitarbeiter die Möglichkeit bereit, wieder zu arbeiten und dabei eine verantwortungsvolle Tätigkeit auszuüben. Dank der guten Arbeit der Mitarbeiter ist die Skatehalle 363 Tage im Jahr geöffnet und bietet neben dem einfachen, freien Training auch zahlreiche Contests, Trainings und Kurse an, sowie die Vermietung der Halle für private Veranstaltungen.

Das Projekt Wicked Woods bot sich insofern als Untersuchungsraum für das Seminar an, da die Teilnehmer der Arbeitsgelegenheiten alle vom Job Center vermittelt werden. Die Mitarbeiter von Wicked Woods sind somit zunächst arbeitslos gewesen und werden, mehr oder weniger gewollt, in eine der Maßnahmen vermittelt. Verweigert ein Mitarbeiter die Teilnahme an der Arbeitsgelegenheit, so drohen ihm Kürzungen der sozialen Zuschüsse. Sie arbeiten somit nicht ganz freiwillig in dem Projekt und sind mit ihrem Hintergrund die idealen Ansprechpartner für unsere Forschung.

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