Endspurt beim offenen Sportangebot: Wie finanziert man ein solches Vorhaben überhaupt?

Endspurt beim offenen Sportangebot: Wie finanziert man ein solches Vorhaben überhaupt?

Kurz vor Abgabe des Konzeptentwurfs möchten wir Euch schon einmal über mögliche Finanzierungsmodelle berichten, mit denen wir uns im Laufe der Arbeit auseinandergesetzt haben. Möglichkeiten der Finanzierung gibt es viele, man muss nur die Hebel kennen, die man in Bewegung setzen kann.

Für die Startfinanzierung gibt es viele Mittel und Wege

Ob Sponsoring, Fördermittel von Land, Bund oder EU, oder neuartige Finanzierungsformen, wie Crowdfunding: Es gibt viele Möglichkeiten ein solches Vorhaben zu finanzieren, wenn die Vorteile für potenzielle Geldgeber ersichtlich sind. Öffentliche Fördermittel sind beispielsweise nicht als „Geschenke des Staates“ anzusehen, sondern als Hilfestellung bei der Realisierung eines politisch angestrebten Ziels. Somit müssen gewisse Bedingungen, welche die öffentliche Hand innerhalb des Förderprozesses stellt, von dem Projektinitiator erfüllt werden. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie stellt innerhalb einer Förderdatenbank einen Überblick über verschiedene Arten der Förderung und diverse Förderprogramme zur Verfügung.

Neben den öffentlichen Fördermitteln ist auch das Sponsoring ein Finanzierungsinstrument, welches ein gewisses Unterstützungspotenzial für das Sportprojekt bietet. Vorstellbar wäre die finanzielle Beteiligung oder die Gewährung von Sach- und Dienstleistungen von lokalen Unternehmen und Akteuren. Im Gegenzug kann die Reputation des Sponsors gesteigert werden. Somit ist das Sponsoring gleichermaßen Finanzierungs- als auch Marketinginstrument. Die Frage ist jedoch, inwiefern eine solche Beteiligung gewünscht ist. Aufgrund einer potenziellen Einflussnahme des Sponsors auf die Projektentwicklung besteht die Möglichkeit, dass vom eigentlichen Nachhaltigkeitszweck des Projektes abgewichen werden muss, um einer eher wirtschaftlichen Intention des Sponsors gerecht zu werden.

Crowdfunding_Sport
Das Crowdfunding-Portal fairplaid hat sich auf Sportprojekte spezialisiert

Diese Gefahr besteht beim sog. Crowdfunding nicht. Das Konzept des Crowdfundings resultiert aus der Idee, das zur Finanzierung eines Projektes benötigte Kapital durch eine“Crowd“, also eine große Gruppe interessierter Bürger, aber auch Unternehmen, zu beschaffen. Der Initiator des Projektes erhält somit von einer großen Anzahl verschiedener Personen jeweils einen kleinen finanziellen Beitrag zur Realisierung des Vorhabens. Derzeit gibt es eine Vielzahl online-basierter Crowdfunding-Plattformen. Für das offene Sportangebot wäre es z.B. denkbar, dieses Instrument zu wählen und es mit einer Online-Umfrage zur Namensgebung des Sportangebots oder zur Ideengenerierung für die konkreten Angebote zu verknüpfen. Damit könnte man zusätzlich auf das Projekt aufmerksam machen.

Public Private Partnership als geeignetes Modell zur Verstetigung des Projekts?

Das offene Sportangebot an der Wuppertaler Nordbahntrasse kann als Kultur- und Infrastruktureinrichtung der Stadt Wuppertal angesehen werden. Diese Einrichtung soll jedoch nicht durch die öffentliche Hand, sondern durch eine private Initiative entwickelt und betrieben werden. Bei einer solchen Konstellation liegt der Gedanke an das Konzept des Public Private Partnership (kurz PPP) sehr nahe. Dieses Konzept sieht die Kooperation zwischen Kommunen und privaten Akteuren bei der Verwirklichung von Kultur- und Infrastrukturprojekten, die der Öffentlichkeit dienen, vor. Doch gibt es viele Ausgestaltungsmöglichkeiten und Hybridformen des PPP. Beim offenen Sportangebot bietet es sich an mit einem sog. Konzessionsmodell zu arbeiten, bei dem die Stadt die Erfüllung der öffentlichen Aufgabe an einen privaten Betreiber überträgt.

Das Projekt Nordbahntrasse ist ein gutes Beispiel dafür, wie PPP erfolgreich umgesetzt werden kann

Die Nordbahntrasse ist ein gutes Beispiel dafür, wie Bürger ein Projekt selbst initiieren und in die Hand nehmen. 2007 konnte dank Spenden und engagierten Bürgern mit dem Bau der Trasse begonnen werden. Später gründete der Verein Wuppertalbewegung e.V. die Nordbahntrassen GmbH, die mit der Stadt Wuppertal einen öffentlich-rechtlichen Vertrag schloss. In diesem Vertrag übernahm die Wuppertaler Nordbahntrassen GmbH die Verpflichtung, über einen Bindungszeitraum die Verantwortung für den Bau, Betrieb und Instandhaltung der Nordbahntrasse zu übernehmen. Die Stadt verpflichtete sich im Gegenzug dazu, sich bis zu einer Höhe von 250.000 Euro an diesen Kosten zu beteiligen. Die Finanzierung des Projekts konnte durch eine Mischung verschiedener Kapitalquellen sichergestellt werden. Zum einen besteht ein Großteil der Finanzierung aus Fördermitteln von Land und Europäischer Union. Zum anderen erhielt die Wuppertalbewegung e.V. Unterstützung durch Spendenzusagen verschiedener Akteure.

Engagierte Bürger und kluge Mitmach-Konzepte sind das A und O

Wie auch beim Bau der Nordbahntrasse, die größtenteils durch bürgerschaftliches Engagement entstanden ist, wird auch das offene Sportangebot nur durch überzeugte Bürger vorangetrieben werden können. Damit sind nicht ausschließlich Spenden gemeint. Auch bei der Ideenentwicklung, beim Bau und beim Betrieb des Sportangebots können Bürger und andere Akteure, wie lokale Unternehmen, mitwirken. Das Konzept der Streckenpatenschaft, wie es die Wuppertalbewegung beim Betrieb der Nordbahntrasse anwendet, macht auch für das Sportangebot Sinn. So könnten beispielsweise Paten für bestimmte Sportgeräte, oder flexible Sportangebote wie Lauftreffs, Volleyballtreffs, oder Fitness-Treffs eingebunden werden, die dann für die Bereitstellung, Weiterentwicklung und Pflege des Angebots zuständig wären. Darüber hinaus können auch Arbeitsgruppen, die sich mit bestimmten Fragestellungen, Ideen und Herausforderungen auseinandersetzen, gebildet werden. Hier kann durchaus von der beruflichen oder privaten Erfahrung jedes Einzelnen profitiert werden.

Der gemeinnützige Verein als Verwalter der Sportangebots und Ansprechpartner für Stadt und Sponsoren

Der Verein eignet sich im Falle des Sportangebots am besten als Betreiber. Hier ein paar Fakten im Überblick:
– Da der Verein eine juristische Person ist, kann er in eigenem Namen rechtlich klagen und verklagt werden.
– Die Mitglieder des Vereins haften nicht persönlich, sondern lediglich mit dem Vereinsvermögen.
– Ein Mindestkapital wird bei der Gründung nicht benötigt.
– Der Verein kann als Körperschaft gemeinnützig und somit steuerbefreit sein. Diese Gemeinnützigkeit muss jedoch mit der Vereinssatzung beim zuständigen Finanzamt beantragt und genehmigt werden. Falls dies zutrifft, wäre der Verein größtenteils körperschafts- und gewerbesteuerfrei. Außerdem wäre bei bestimmten Leistungen der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7% anzuwenden.
– Ein weiterer Vorteil eines als gemeinnützig anerkannten Vereins ist die Möglichkeit, Spendenbescheinigungen auszustellen. Die Zuwendungen in Form von Spenden oder Mitgliedbeiträge sind dann beim Spender als Sonderausgaben steuerlich abzugsfähig.
– Aufnahme und Austritt von Mitgliedern sind relativ einfach möglich.

Da wir den Anspruch stellen, ein offenes Sportangebot bereit zu stellen, das nicht automatisch zu einem Vereinsbeitritt verpflichtet, könnte man verschiedene Nutzungsgebühren für Mitglieder und Nicht-Mitglieder erheben. Obwohl der Großteil des Angebots kostenlos sein soll, kann für Angebote, die einer erhöhten Pflege bedürfen, wie Volleyball und Sport-Treffs ein kleiner Beitrag erhoben werden. Dieser könnte für Vereinsmitglieder etwas niedriger ausfallen, da sie durch ihren Beitrag bereits etwas zum Erhalt des Sportangebots beitragen. Nicht-Mitglieder könnten z.B. Monatsabos für ein bestimmtes Sportangebot kaufen, oder durch andere Leistungen, wie die Mitarbeit beim Bau, den Anspruch erhalten die Angebote kostenlos nutzen zu dürfen.

In unserem nächsten uns letzten Beitrag stellen wir das Gesamtkonzept des Sportangebots vor und lassen unsere Arbeit Revue passieren.

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