talwaerts #04 – Knochenjob

talwaerts #04 – Knochenjob

Die vierte Ausgabe der talwaerts gibt mit ihrem Querschnitt über verschiedene Themenbereiche wieder einen wunderbaren Einblick über aktuelle Geschehnisse in Wuppertal. Dabei sind diesmal vor allem städtebauliche Maßnahmen von zentraler Bedeutung und die Frage wie Stadtentwicklung gut und nachhaltig gestaltet werden kann. Diese bestimmt nämlich nicht nur das äußere Bild einer Stadt, es hat auch vielfältige soziale und ökologische Einflüsse. Schließlich widmet sich das Magazin in einem Artikel auch der künstlerischen Darstellung von Stadtentwicklung über die Zeit hinweg.

Screenshot 2015-01-23 11.31.53

Knochenjob

Wuppertal erhält ein neues „Tor zur Stadt“. Das Großprojekt Döppersberg steht kurz vor dem Abschluss. Die Investorengruppe Signature Capital erwirbt rund 6000qm Fläche und will dort ein Geschäftshaus errichten – der Stadtrat entscheidet am 10. Februar über die Realisierung des Projekts. Doch welche Auswirkungen hat diese städtebauliche Maßnahme auf Wuppertal?

Die Wuppertaler Architekten Hans Christoph Goedeking und Markus Rathke äußern Kritik an dem Projekt – nicht weil sie die angedachte Umgestaltung des Döppersberg ablehnen, sondern auf Grundlage welcher Kriterien die Entscheidung gefällt wurde. So gehe es nur um quantitative Aspekte, also Zahlen und Werte der Investition, an denen natürlich ausschließlich die Investoren ein Interesse haben. Doch eine Stadt und ihre Einwohner leben vor allem von den qualitativen Aspekten und Angeboten einer Stadt. Es muss dann auch die Frage in den Raum gestellt werden, wer die Stadtplanung wirklich in den Händen hält: wirtschaftliche Unternehmen oder die Stadt selbst?

Der Bund Deutscher Architekten in Wuppertal hat beispielsweise mit ?Wuppertal 2025? ein Leitlinienprogramm für die sinnvolle und nachhaltige Gestaltung der Innenstadt veröffentlicht. Das Motto lautet: „Wuppertal macht was anders“. Im Zentrum der Betrachtung stehen hierbei qualitative Aspekte der Stadtentwicklung.

Stadtkinder

Wie kinderfreundlich ist Wuppertal? Wie und auf welche Weise kann sich ein Kind in Wuppertal entwickeln? Bietet die Stadt überhaupt ein sicheres und gutes Umfeld? Das ist der Tenor des Artikels Stadtkinder.
Positiv herausgehoben werden Grünflächen der Stadt wie die Hardt, die Ronsdorfer Anlagen, die Talsperren als auch die Nordbahntrasse, da sich Kinder hier frei und sicher austoben können. Ebenfalls werden kulturelle Angebote wie die Junior Uni, Malateliers und Bibliotheken mit Vorlesungsstunden als tragende Elemente einer guten Entwicklung herausgestellt.
Negativ beschrieben hingegen werden allgemein die Verkehrssituation, die schlechte Beschilderung in der Nähe von Schulen und marode Spielplätze. Zumindest die Spielplätze werden aktuell im großen Stile durch die Stadt aufgewertet. Doch auch sozial gibt es einige Ansatz- und Verbesserungspunkte. Um z.B. die Kinderarmut in Wuppertal aufzufangen (jedes vierte Kind lebt von Hartz IV) und Familien allgemein Unterstützung bei Problemen zu geben, betreibt der Kinderschutzbund ehrenamtliche Einrichtungen wie die Elberfelder Kinder-Ma(h)lzeit, Ambulante Erziehungshilfe und besondere Elternkurse. Wie man sieht, gibt es also eine Vielzahl an freiwilligen aber mittlerweile auch städtischen Initiativen, um Kindern und Jugendlichen ein besseres Leben in Wuppertal zu ermöglichen.

Tanzrausch Elberfeld

Bereits in der talwaerts -Ausgabe #02 haben wir über das Projekt „Postcards from Wuppertal“ berichtet und auch in der neuen Ausgabe findet es wieder Beachtung. In dem vierten Teil des Projekts wird nämlich das Haus Fahrenkamp zur Filmkulisse. Interessant ist vor allem, dass u.a. auch Senioren dabei sind, die das ehemalige Kaufhaus Michel aus ihren Kindertagen kennen und die Historie dieses Gebäudes nun tänzerisch darstellen. Einer der Mitwirkenden beschreibt diese Erfahrung daher treffend: „Das Ganze hat schon eine gewisse Melancholie, wenn man bedenkt,
dass aus dem ehemaligen Palast nun ein Bürogebäude geworden ist“.

„Wuppertal, Hauptstadt der Baustellen?“

Umbau des Döppersberg, Bau des Factory-Outlet-Centers, Abriss der „Harnröhre“ und vieles mehr ändert sich zurzeit baulich in Wuppertal – also einiges womit sich die Einwohner aktuell rumschlagen müssen. Deshalb lädt die IHK am 2. Februar ab 16 Uhr zum „Straßenforum“ ein. Ziel und Inhalt dieser Diskussion soll sein, Baustellenplanung und -management zu besprechen und diese zukünftig zu verbessern. Auch soll erörtert werden, wie bei kommenden Bauprojekten die Kommunikation zwischen Stadt und Land besser gestaltet werden kann. Teilnehmer sind u.a. OB Peter Jung, Hauptgeschäftsführer von Straßen.NRW Windfried Prudenz und IHK Vizepräsident
Jörg Heynkes.

Was bleibt von dieser Ausgabe hängen?

Wir sehen, wie komplex und vielfältig Stadtentwicklung sein kann. Es genügt nicht, irgendwo in der Stadt „einfach“ ein Gebäudekomplex oder Kaufhaus hinzustellen und der Rest ergibt sich von selbst. Man muss hierbei noch viele andere Variablen in Betracht ziehen. Wie wirkt sich z.B. ein neues Einkaufszentrum mit seiner Anziehungskraft auf kleinere Geschäfte aus. Wie profitiert das betroffene Viertel, verkümmern andere Viertel dadurch? Wie ändert sich das Stadtbild? Gäbe es keine anderen, sinnvolleren Ergänzungen für die Stadt? Planen nicht eigentlich schon längst Investoren und wirtschaftliche Unternehmen die Stadtentwicklung? Ist ein Projekt wirklich nachhaltig? Und ist dies überhaupt durch die Einwohner gewünscht?
Bei dem Artikel „Stadtkinder“ lässt sich diese Problematik ganz gut ablesen. Grünflächen, kulturelle Einrichtungen und Renovierung von Spielplätzen liegen beispielweise nicht im Interessenbereich von Wirtschaftsunternehmen. Die Stadt muss selbst also proaktiv Stadtplanung betreiben.
Das ehemalige Kaufhaus Michel ist ein gutes Beispiel für sich ändernde Stadtentwicklung im Zeitablauf. Früher Kaufhaus, jetzt Bürogebäude – was hat sich hier im Zeitablauf so drastisch geändert?
Eine offene Diskussion zu diesem Themenbereich ist also nötig. Dies zeigt auch das von der IHK einberufene „Stadtforum“, welches sich aktiv mit den entsprechenden Akteuren auseinandersetzt.

Folglich ist diese Ausgabe aus Transformationssicht äußerst interessant. Sie gibt uns einen Überblick ausgehend von der Planung, über Realisierung bis hin zu den Folgen und Ergebnissen von Bauprojekten und Stadtentwicklung. Vor allem zeigt sie uns auch, dass sich durch solche Projekte nicht nur das äußere der Stadt verändert. Vielmehr ändert jede einzelne Ergänzung im städtebaulichen Komplex auch die Seele der Stadt in vielen Bereichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.