talwaerts #03 – Nachhaltige Mobilität

talwaerts #03 – Nachhaltige Mobilität

Die aktuelle Ausgabe der talwaerts thematisiert das sogenannte Bürgerticket, eine Idee, bei der alle Bürger der Stadt einen Beitrag X für die Nutzung des ÖPNV im Stadtgebiet zahlen sollen. Das Ziel: Wuppertal ökologisch zukunftsfähig machen durch höhere Anreize zur Nutzung des ÖPNV und somit zur Vermeidung schädlicher CO2-Emissionen. Und, die Entlastung der Wuppertaler Stadtwerke (WSW), für die der Nahverkehr immer noch ein Defizitgeschäft darstellt, bei der Entwicklung eines nachhaltigen Mobilitätskonzepts. Außerdem: Wuppertaler Strategien und Initiativen gegen Analphabetismus, der Bundespräsident lobt die Arbeit des Jugendrats, und Kritik an der geplanten Primark-Ansiedlung auf dem IHK-Neujahrsempfang.

Mobilitätsflatrate ? Nachhaltiges Verkehrskonzept soll mittels Solidarbeitrag realisiert werden

Wer kennt das nicht: Man möchte morgens mit Auto, Bus oder Motorrad zur Arbeit, zur Schule oder zur Uni und es geht nur im Schneckentempo voran. Diese Situation erlebt man – insbesondere seit den Umbaumaßnahmen am Wuppertaler Hauptbahnhof und den damit verbundenen Streckensperrungen und Umleitungen – sehr häufig, vor allem in der Wuppertaler Innenstadt. Es gibt Tage, an denen man zu Fuß oder mit dem Fahrrad schneller von A nach B kommt. Abhilfe soll da das sogenannte Bürgerticket liefern. Die Idee: Jeder Bürger zahlt monatlich Betrag X und darf dafür den gesamten Nahverkehr in Wuppertal nutzen. Die Beitragshöhe könnte in Abhängigkeit von Haushaltseinkommen berechnet werden, sodass die die mehr haben auch mehr zahlen. Natürlich stößt ein solcher Vorschlag schnell auf Gegenwind, insbesondere bei denen, die in Randgebieten wohnen, die der Nahverkehr nicht so gut abdeckt, oder auch bei denen, die den ÖPNV nicht nutzen können oder wollen. Dennoch würden auch die Gegner des Konzepts profitieren, da der Verkehrsraum entlastet würde und der Verkehr dadurch flüssiger laufen kann. Gregor Waluga, der am Wuppertal Institut genau zu diesem Vorschlag forscht, vergleicht das Bürgerticket mit dem Modell der gesetzlichen Krankenkassen: Die Kosten des Gesundheitssystems werden von allen Bürgern getragen, abhängig von der finanziellen Ausstattung der Menschen. Das Bürgerticket kann eine Chance sein, eine Mobilitätstransformation zu vollziehen und Wuppertal zum Vorbild für andere Städte zu machen. Im März wird es eine Podiumsdiskussion geben, bei der der Vorschlag mit Experten diskutiert wird.

Bildung: Dem Analphabetismus entgegenwirken

Nach aktuellen Hochrechnungen gibt es in Wuppertal 30.000 bis 40.000 Analphabeten. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund. In Zeiten einer immer komplexer werdenden Gesellschaft und steigenden Anforderungen im Job wird dies für viele Menschen ein echtes Problem. Derweil gibt es in Wuppertal schon viele Initiativen, die dem Analphabetismus den Kampf angesagt haben. So bietet die Volkshochschule (VHS) verschiedene Kurse an, die Gemeinschaftsgrundschule Nützenberger Straße beschäftigt sich verstärkt mit dem Problem sowie kirchliche Einrichtungen. Doch die Kurse sind oftmals nicht ausgelastet. Viele Analphabeten werden gar nicht erreicht und hat man sich einmal mit dem Defizit arrangiert, fällt es schwer das Problem in Angriff zu nehmen. Deshalb möchte die VHS Angebote stärker vernetzen und mit sozialen Einrichtungen, Schulen, Wirtschaft und Gewerkschaften kooperieren. Bildung ist der Schlüssel zu Integration und befähigt zu beruflichem Erfolg.

Weitere Themen: Aufruf für Frieden und Toleranz und Primark-Kritik

Bundespräsident Joachim Gauck lobte die Arbeit des Wuppertaler Jugendrats, der mit einer Plakataktion auf dem Ölbergfest für Frieden und Toleranz geworben hat. Darüber hinaus wurde auf dem IHK-Neujahrsempfang Kritik an der geplanten Primar-Ansiedlung am neuen Döppersberg laut. Kardinal Woelki kritisierte Primark als ausbeuterisches Wirtschaftssystem. Auch aus Transformationssicht ist der Nutzen dieses Vorhabens fraglich, denn der neue Döppersberg hat das Potenzial, Wuppertals Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit hervorzuheben. Eine Primark-Filiale, die Billigmode aus Niedriglohnländern anbietet, wäre da sicherlich die falsche Botschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.