talwaerts – #23: Zwischen Moral und Globalisierung

talwaerts – #23: Zwischen Moral und Globalisierung

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Die 23. Ausgabe der talwaerts zeigt einige interessante Facetten des gesellschaftlichen Wandels in Wuppertal. Von den Pokern um die Finanzierung der Schulsozialarbeit, über die regionalen Auswirkungen einer globalen Wirtschaft bis hin zum Online-Entrepreneur. Im Folgenden werde ich exemplarisch einige Artikel aus der Zeitschrift vorstellen und sie im Anschluss aus Transformationssicht betrachten.

Präventiv-Poker

In diesem Artikel geht es darum wie auf politischer Ebene um die Finanzierung der Schulsozialarbeit gepokert wurde. Nachdem es so aussah, als wenn die überschuldete Stadt Wuppertal kurzfristig einspringen müsste, ist jetzt doch vom Land NRW eine sichere finanzielle Grundlage für die nächsten drei Jahre geschaffen worden.

Zwischen Moral und Globalisierung

Der Beitrag beschreibt, wie die Konzerne Schaeffler und Johnson Controls massiv Stellen abbauen, und das trotz großer Zugeständnisse, unbezahlter Mehrarbeit seitens der Arbeitnehmer und bestehender Beschäftigungszusagen. Er zeigt auf vor welchen Herausforderungen regional organisierte Gewerkschaften in Verhandlungen mit global agierenden Konzernen stehen.

Der 90. Geburtstag

Eine bewegende Geschichte über eine alte Frau, die an Ihrem 90. Geburtstag von ihrem Behinderten-Fahrdienst im Café vergessen wird.

Netzgeld

Auch wenn viele Online-Marketer einen Blog eher als Marketingplattform, denn als Geschäftsmodell sehen,  träumen immer mehr junge Leute davon, als Blogger, auch Digitale Nomaden genannt, Geld zu verdienen. Netzgeld handelt von drei Wuppertalern die sich diesen Traum erfüllen möchten.

Aufgepoppt

Der Pop-Up-Weihnachtsmarkt ist ein Weihnachtsmarkt wie man ihn sonst nicht kennt. An der Marienstraße präsentieren jede Woche lokale Designer ihre Arbeit. Mode mit Heimatgefühl – für die nächsten sechs Wochen.

Haargel in der Salatsoße

Thomas Eickhoff betreibt einen Naturfriseursalon im Zooviertel. Das bedeutet, dass er ohne Pflegeprodukte mit Kunststoffen arbeitet und einen großen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Was das mit Haargel im Salat zu tun hat, lesen sie am besten selbst.

Interessant aus Transformationssicht

Die aktuelle talwaerts gibt unterschiedliche Perspektiven Wuppertals vor, die aus Transformationssicht sehr interessant sind. Mit dem Leitartikel „Zwischen Moral und Globalisierung“ wird ein Eindruck darüber gegeben, vor welchen Herausforderungen die Stadt in einem Zeitalter steht, wo regional organisierte Gewerkschaften machtlos gegen global agierende Konzerne scheinen. Wo wir, wenn wir von Globalisierung reden das Kapital meinen, nicht jedoch globale Arbeitsrechte oder Umweltstandards.

In einer vom Strukturwandel geprägten Stadt zeigt „Aufgepoppt“ wie die Kreativität lokaler Designer neue Impulse setzt, und eine Kreuzung wiederbeleben kann. Während der „90. Geburtstag“ sehr zum Nachdenken darüber anregt, inwieweit wir auf die Herausforderung der steigenden Überalterung unserer Gesellschaft überhaupt vorbereitet sind.

„Haargel in der Salatsoße“ stellt hingegen einen nachhaltigen, auf Ressourcenschonung ausgerichteten Betrieb vor, für den es oberste Priorität hat, wie seine Produkte hergestellt wurden. So wird aufgezeigt, dass auch jeder einzelne von uns die Globalisierung entscheidend mitprägt, durch seinen Konsum. Wir können mit jedem Einkauf entscheiden, ob wir z.B. Produkte kaufen die für Regenwaldabholzung und Arbeiterausbeutung verantwortlich sind, oder solche, die für nachhaltigen und fairen Handel stehen. Ich finde diesen Gedanken sehr schön, weil das bedeutet, dass wir selbst schon der Wandel sein können. Jeden Tag, mit jedem Einkauf.

Schließlich stellt sich die Frage wie wir den Fortschritt in der uns bevorstehenden Transformation bewerten können.  Was sagt das oft dafür verwendete BIP tatsächlich über die Lebensqualität aus? Wenn es steigt, weil Konzerne durch Entlassungen ihre Gewinne maximieren konnten, inwieweit ist dann die Situationen der entlassenen Angestellten mit berücksichtigt?

Nachhaltige Transformationeprozesse müssen sich daran messen lassen, ob sie auch tatsächlich, unter Berücksichtigung der gewachsenen sozialen und kulturellen Strukturen, die Lebensqualität der einzelnen Bürger verbessern. Wichtig ist, dass wir für die Bewertung von Wohlstand zunächst einmal ein breiteres Verständnis darüber bekommen was überhaupt ein „gutes Leben“ ist.

Die OECD hat mit dem Better Life Index elf Dimensionen zur Bewertung von Wohlstand definiert. Er berücksichtigt unter anderem das Bildungswesen, die Beschäftigungssituation und die Qualität des sozialen Zusammenhalts. Der Erfolg von Transformationsprozessen wird sich auf jeden Fall an Faktoren messen lassen müssen, die die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen widerspiegeln.

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